Gastvortrag an der Freien Universität Berlin am 29.5.2017: Koloniale Gegenwart

Der Gastvortrag an der FU-Berlin zum Thema „Koloniale Gegenwart“ im Rahmen der Vorlesungsreihe „Geographien der Differenzen/Einführung in die Anthropogeographie II“ an der FU Berlin beschäftigt sich ganz konkret mit den kolonialen Spuren im Alltag Berlins. Dazu werden wir uns zunächst auf die Spurensuche kolonialer Vergangenheit im Stadtraum begeben und  uns die Frage stellen, wie sich dieser historische Zeitabschnitt bis in die Gegenwart explizit oder implizit auswirkt. Gängige Konzeptionen von Urbanität und der europäischen Stadt  werden beispielsweise über die Abgrenzung zum „Anderen“ definiert und bilden häufig das Verständnis von Stadt, auf das sich zahlreiche aktuelle stadtpolitische Debatten stützen. Daher werden in dem Vortrag die Stilfigur des „Wirs und die Anderen“, Bilder, Fotografien, Kunstwerke aber auch  (Eigen-, Fremd-,  eurozentristische, kulturalistische) Vorstellungen, die bestimmten Räumen zugeschrieben und gesellschaftlich unhinterfragt transportiert werden, thematisiert. Die Produktion von Räumen über Sprache, Bilder, Akteur_innen und Denkmäler spiegeln die durchgesetzten Werte einer (Stadt-)Gesellschaft wider. Die derzeit sichtbare Umwelt im Stadtraum zeigt beispielsweise das Machtverhältnis und das Durchsetzungsvermögen bestimmter Gruppen auf, die kein Interesse haben, koloniale Strukturen sichtbar zu machen. In diesem Zusammenhang wird die Forderung von Akteur_innen nach einer Dekolonisierung urbaner Räume immer lauter. Hinter dieser Forderung stehen mehrere Aspekte:  Ziele sind u.a., eine Diskussionkultur  zu schaffen, die auch heutige postkoloniale Abhängigkeiten und einen alltäglichen Rassismus thematisiert und  Realitäten der globalen Migration offenbart.

In diesem Zusammenhang wird eine Studierendenarbeit vorgestellt, die im Rahmen des Projektseminars „Kunst und Geographie“ 2016 entstand. Sie nutzte kreative und  interventionistische Methoden und Praktiken,  die es erlauben, urbane Machtstrukturen aufzuspüren und die Fallstricke einer einseitig geführten Debatte jenseits partizipatorischer Vorstellungen aufzuzeigen.

In diesem Zusammenhang wird auch die disziplingeschlichtliche Rolle der Geografie und ihre konventionellen Methoden kritisch hinterfragt werden.

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