Dérive mit Künstlerkollektiv Reflektor

8. August 2019: Eine künstlerische Methode, den öffentlichen Raum zu erforschen ist das Dérive. Sie wurde in den 60er Jahren von der Künstlergruppe: Situationistische Internationalen in Franreich entwickelt, um den Funktionalismus der Stadt zu erkennen und dem „Spectacle“, also dem Konsum und der Entfremdung des Menschen durch das Kapital, etwas entgegen setzen zu können. Durch die Reflektion eingebauter Machtstrukturen und Regelhaftigkeitigen im öffentlichen Raum, lässt sich Stadt neu betrachten und darüber diksutieren, wie die Stadt der Zukunft sein sollte. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Eine Begegnung hat folgendes Portrait von mir zur Folge gehabt: Artikel aus „Kiez und Kneipe, Neukölln“ (siehe: https://www.kuk-nk.de/?p=8631):

Die Entdeckung des öffentlichen Raumes

Besondere Stadtführungen mit Christine Scherzinger

»Es mag naiv erscheinen, als Stadtführerin Fragen zu stellen, statt gleich Antworten zu geben. Dabei geht es mir darum, die Menschen zu bewegen, den öffentlichen Raum auf besondere Weise zu entdecken.« Christine Scherzinger ist Grundschullehrerin und Geographin, die ihren Doktortitel an der Berliner Humboldt Universität erwarb. Zufällig steht sie vor meinem Haus, als ich zum Einkauf gehen will. Da hängt ein alter und lange nicht genutzter Kaugummiautomat, eine Besonderheit, an der Erwachsene vorbei gehen, während Kinder von dem Drehgerät fasziniert sind. Christine Scherzinger weist darauf hin, von wann der simple Automat stammen könnte und was seinerzeit geschah.
Die plastischen Erklärungen erinnern an meine Kindheit. Ich kann mich der weiteren Teilnahme an ihrer Führung nicht entziehen. Meine Einkaufs­tasche ist danach voll von Entdeckungen. Sie lassen sich nicht komplett aufzählen. Die Führung ist »situativ«. Ich erwerbe einen Blick für das, was ich täglich übersehe, und erfahre den Zusammenhang mit dem, was uns alle beschäftigt. Hier fällt der Begriff »Gentrifizierung« und der Hinweis auf »Verdrängung«.
»Früher hieß es, die Künstler seien die Pioniere der Gentrifizierung. Das ist in der wissenschaftlichen Forschung nicht mehr pauschal akzeptiert.« Christine Scherzinger hat sich in ihrer Forschung und Lehrtätigkeit auf Urbangeographie spezialisiert. Ihre Doktorarbeit basiert wesentlich auf Beobachtungen und Gesprächen mit Künstlern und Künstlerinnen in Neukölln sowie in anderen Sozialräumen. Im Schillerkiez hat sie ihr Büro, das sie mit einem Kollegen teilt.
»Es geht darum, gegen Verdrängung vorzugehen. Der öffentliche Raum muss neu entdeckt und verteidigt werden.« Das viel verbreitete Wort »antikapitalistisch« bedeutet für Christine Scherzinger Engagement für den Erhalt von Lebensraum für alle Menschen. Die rollende Welle der »Digitalisierung« und »Smart City« wird von ihr nicht abgelehnt, sondern hinterfragt, wer davon profitiert und wie die betroffenen Menschen künftig teilhaben können, ohne ausgeschlossen zu werden.

th
Christine Scherzinger, Berlin. Visionen einer zukünftigen Urbanität. Über Kunst, Kreativität und alternative Stadtgestaltung. Transcript Verlag Bielefeld 2017,
Print-ISBN 978-3-8376-3717-5,
PDF-ISBN 978 3-8394-3717-9,
info@transcript-verlag.de

Dokumentation

 

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